Was heisst «Digitale Teilhabe praktisch»? … wenn das Bezahlen eines Parkplatzes in einer Gemeinde nur noch digital möglich ist und sonst eine Busse droht?
Das ist vielleicht nicht die beste Lösung. Aber was ist richtig?
Digitale Teilhabe ist kein Randthema. Sie ist eine zentrale Führungs- und Servicefrage für Gemeinden. Die Digital Barometer Studie der Stiftung Risiko-Dialog 2026 zeigt: 38 Prozent der Schweizer Bevölkerung fehlen digitale Grundkompetenzen.
Diese Woche fand in Bern der erste Kompetenz-Kurs «Digitale Teilhabe praktisch» statt. Mit dabei waren 15 Gemeinden aus den Kantonen Bern und Basel-Landschaft, von kleineren Ortschaften bis zu Städten oder grösseren Ortschaften.
Der Austausch zeigte klar: Digitale Dienstleistungen müssen so gestaltet sein, dass möglichst alle Menschen davon profitieren können. Nicht nur digital affine Personen, sondern auch Menschen mit geringen digitalen Kompetenzen, sprachlichen Hürden, finanziellen Einschränkungen, Behinderungen oder komplexen Lebenssituationen.
Immer mehr Behördendienstleistungen werden digital. Gleichzeitig dürfen digitale Prozesse nicht zu neuen Ausschlüssen führen. Genau hier setzt der Kompetenz-Kurs an. Wir diskutierten konkrete Werkzeuge, Praxisbeispiele und Denkansätze, um digitale Angebote zugänglicher, verständlicher und inklusiver zu gestalten. Es entstanden sehr interessante Diskussionen. Viele Gemeinden machen bereits vieles richtig. Gerade deshalb sind der Austausch und die praktische Erfahrung so wichtig.
Zentrale Erkenntnisse waren unter anderem:
- dass es wichtig ist, die Realität und die Risiken von «Digital Only»-Strategien zu kennen und ernst zu nehmen
- die fünf Dimensionen digitaler Grundkompetenzen zu kennen, die wir alle brauchen (38 Prozent der Schweizer Bevölkerung haben diese heute nicht)
- zu verstehen, was digitale Teilhabe konkret für die Verwaltung bedeutet
- und somit, welche politische Leitfragen in Gemeinde- und Stadträten diskutiert und formuliert werden sollten.
Der Kurs wurde von Myni Gmeind gemeinsam mit Academia, der Stiftung Risiko-Dialog, dem Schweizer Dachverband Lesen und Schreiben sowie Caritas Schweiz mit Unterstützung der Digitalen Verwaltung Schweiz (DVS) und dem Schweizerischen Gemeindeverband entwickelt. Die Diskussion mit den Gemeinden hat bestätigt: Digitale Teilhabe gelingt nicht durch Technik. Sie braucht Haltung, Führung, verständliche Prozesse und konkrete Umsetzung im Verwaltungsalltag.
Im Herbst wird ein weiterer Kompetenz-Kurs angeboten. Sobald der Termin bekannt ist, informieren wir.
👉 Weitere Informationen zu unseren Kompetenz-Kursen
https://www.ilmiocomune.ch/de/kompetenz-kurse
Foto von links: Nadine Weigl, Daniela Ramp, Alexander Sollberger, Pascale Mencaccini, Anja Trümpy O’Farrill